Aktuelles

04.04.2022 15:49

Tagesstätte Bad Ems eröffnet Kleiderladen "2te Freude" auf der Wipsch

Im Erdgeschoss des Gemeindepsychiatrischen Zentrums wird fleißig gewerkelt. Seit dem Frühjahr 2021 arbeiten Klient*innen und Mitarbeiter*innen der Tagesstätte gemeinsam an dem Vorhaben, in Bad Ems einen Kleiderladen zu eröffnen. Damit wollen wir als Einrichtung zu einem nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit getragenen Kleidungsstücken beitragen.

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]

In Zeiten der Überproduktion und Massenware möchten wir eine ökologische und preiswerte Möglichkeit schaffen, guterhaltene Kleidungsstücke zu erwerben und gleichzeitig Ressourcen und Geldbeutel zu schonen. 

Die Klient*innen unserer Tagesstätte bekommen durch die Tätigkeiten im Kleiderladen die Gelegenheit, ihre praktischen Fertigkeiten zu erweitern und ihre individuelle Leistungsfähigkeit zu erproben. Darüber hinaus ermöglichen Kundenkontakt und Teamarbeit das Training sozialer und kommunikativer Kompetenzen.

Von Anfang an stand fest, dass wir unsere Räumlichkeiten eigenständig renovieren und einrichten werden. Wie gut, dass wir sowohl unter den Mitarbeiter*innen als auch unter den Klient*innen geschickte Handwerker*innen und kreative Köpfe haben. Dadurch konnten die anfallenden Handwerksarbeiten größtenteils in Eigenregie umgesetzt werden. Räume wurden vermessen, Wandfarben ausgewählt, Ideen gesammelt und Skizzen angefertigt. Wer Interesse hatte, konnte sich mit seinen Fähigkeiten und Ideen einbringen. Doch auch so manche/r, der /die anfangs skeptisch war und vor den ungewohnten Tätigkeiten zurückschreckte, wurde durch die Begeisterung der Helfer*innen und die fachkundige Unterstützung unseres Ergotherapeuten umgestimmt und konnte beim Streichen der Wände, dem Abschleifen alter Möbel oder dem Bau eines Kleiderstangen-Systems mitwirken.

Auch nach den Renovierungsarbeiten gibt es für die Klient*innen und Mitarbeiter*innen viel zu tun: Gespendete Kleidungsstücke werden sortiert, Preislisten erstellt, Flyer entworfen und Verkaufsgespräche trainiert. 

Wir möchten mit unserer Arbeit das “In-Kontakt-Kommen“ mit Menschen aus dem Rhein-Lahn-Kreis ermöglichen und dazu beitragen, dass soziale Barrieren, in Form von Vorurteilen und Berührungsängste gegenüber psychisch beeinträchtigten Menschen, herabgesetzt werden.

Die Eröffnung der "2ten Freude" ist für Mai 2022 geplant! 


07.01.2022 12:03

Ausflug in das Atelier "The Nanjing Duck Art Studio"

Beeindruckende chinesische Kultur

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AWO Gemeindepsychiatrie Bad Ems besuchten das Atelier „The Nanjing Duck Art Studio“ von Birgit Moldenhauer im „Russischen Hof“ in Bad Ems. Die Malerin lebte sechs Jahre lang in China und hat bei chinesischen Meistern in Nanjing und Shanghai die traditionelle Malerei in verschiedenen Stilen erlernt. Hier ein Bericht von dem Ausflug. 

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]

„Ausgestellt waren die Werke im GongBi-* und XieYi-Stil**. Wir hatten die Möglichkeit, die Gemälde auf eine alte traditionelle Art in Handarbeit genauer zu betrachten und Fragen zu stellen. Außerdem durften wir verschiedene Pinselarten auf dünnem Reispapier testen. Chinesische Reispapierzeichnungen werden immer mit dem Namen und dem Wohnort des Malers/der Malerin und dem Siegel des Malers/der Malerin signiert. Sind diese nicht vorhanden, handelt es sich um billige Nachdrucke bzw. Kunstdrucke. Das Studio von Frau Moldenhauer ist einem klassischen chinesischen Studierzimmer nachempfunden - im Hintergrund lief traditionelle Musik. Frau Moldenhauer erzählte uns, wie meditativ und entspannend das Malen in Begleitung der fernöstlichen traditionelleren Musik ist. An ihren Bildern erkennt man auch die Liebe zum Detail. Außerdem wurde uns erzählt, dass es in China üblich ist, zwei Gastgeschenke mitzubringen und beim Ankommen chinesischen Tee zu trinken. Ebenso interessant fanden wir die Erklärung der Bedeutung der chinesischen Götterwesen. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagesstätte in Bad Ems fanden den Ausflug sehr spannend und haben sich bei Frau Moldenhauer für ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit und die interessanten Einblicke bedankt. Alle Besucher waren sehr ergriffen und beeindruckt von der chinesischen Kultur.“


11.12.2021 09:42

Individualmaßnahme "Mobilé"

Eine besondere Form der Arbeitsmarktmaßnahme 

Seit Juni 2017 gehört die Individualmaßnahme Mobilé, als ein weiteres Hilfsangebot für Menschen mit psychischer Belastung, zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum der AWO Neuwied. Nachdem die Maßnahme in den ersten vier Jahren auf einer Ko-Finanzierung zwischen dem Land und dem Jobcenter des Landkreises Neuwied basierte, wurde sie Anfang 2021 öffentlich ausgeschrieben.

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]

Die AWO Gemeindepsychiatrie nahm an der Ausschreibung teil und gewann den Zuschlag für die Durchführung der Maßnahme.

Die Idee, einer auf die Bedürfnisse des Personenkreises von Menschen mit psychischer Belastung angepasste Arbeitsmarktmaßnahme, basiert auf der Feststellung, dass eine hohe Anzahl von langzeitarbeitslosen Personen durch psychische Problematiken belastet sind. Es wurde deutlich, dass dieser Personenkreis eine besondere Form der Unterstützung in Bezug auf ihre berufliche Reintegration benötigt.

Das Konzept ist von einem hohen Maß an Individualität und von einem breit aufgestellten Repertoire an Angeboten geprägt. Zu diesen zählen insbesondere Angebote aus dem Bereich Gesundheitsorientierung, sowie sozialpädagogische Angebote, wie beispielsweise Sozialkompetenztraining, gemeinsames Kochen zur Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten und eine Wochenreflexion. Ergänzt wird der Wochenplan durch den fachtheoretischen Unterricht mit dem Fokus auf Allgemeinbildung und berufsspezifische Themenfelder, sowie durch Projektansätze in den Bereichen Handwerk, Medien & Computer und das Zeitungsprojekt „WUB“ („Was Uns Bewegt“), in welchem die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten in Bezug auf die selbstständige Erstellung einer Zeitung erproben können.

Die Zuweisung zur Maßnahme verläuft über das Jobcenter des Landkreises Neuwied. Bei festgestelltem Bedarf erfolgt eine Terminvereinbarung für ein Vorgespräch in der Maßnahme. Auf Basis dieses Gespräches kann die betroffene Person eine eigenständige Entscheidung bezüglich der Teilnahme treffen. Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre lässt sich sagen, dass die 15 Plätze, welche die Maßnahme bietet, stets voll belegt sind. Durch die Führung einer Warteliste besteht die Option, dann zu einem späteren Zeitpunkt einzusteigen.

Das Ziel der Maßnahme ist es, den Menschen unter Berücksichtigung der psychischen Problematik an die Themen Beruf & Arbeit heranzuführen und mit ihm schrittweise eine dem Arbeitsalltag vergleichbare Tagesstruktur aufzubauen. Durch die verschiedenen Angebote wird ein Rahmen geboten, in welchem Kompetenzen und Ressourcen festgestellt und ausgebaut werden können. Zeitgleich werden individuelle Vermittlungshemmnisse aktiv bearbeitet. Die psychische Stabilität und die Belastungsgrenze wird durch eine schrittweise Erhöhung der Teilnahmezeiten erprobt, wobei insbesondere die Gratwanderung zwischen Über- und Unterforderung eine wichtige Rolle in der Arbeit mit dem Klienten spielt. Die Teilnahme basiert auf einem individuell erarbeiteten Förderplan, welcher gemeinsam mit den Teilnehmenden erstellt wird und festgelegte Ziele in Form von Zwischenschritten hin zum beruflichen Einstieg enthält. Unter beruflichem Einstieg sind sowohl Arbeitsaufnahmen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, als auch der Eintritt in eine Werkstatt für behinderte Menschen oder ein Inklusionsunternehmen zu verstehen. Auch der Übergang in eine Ausbildung oder in andere Hilfesysteme, wie beispielsweise in Angebote der Eingliederungshilfe, können im individuellen Fall als Ergebnis der Maßnahme betrachtet werden.

Insbesondere für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit bedarf es neben der Einschätzung der maßnahmeinternen Fachkräfte häufig einer Meinung aus weiteren Professionen, wie beispielsweise von Fachärzten oder Therapeuten. Hiermit kommt der Maßnahme eine weitere Funktion zu – die Lotsenfunktion. Entsprechend werden die Teilnehmenden darin unterstützt, ihr Hilfesystem bedarfsgerecht auszubauen und Anbindungen zu Ärzten, Therapeuten und anderen Hilfe- und Beratungsstellen zu schaffen. Vor allem die therapeutische Anbindung stellt häufig eine langwierige und schwierige Aufgabe dar, da aufgrund enormer Wartezeiten der zeitnahe Beginn einer Psychotherapie meist unmöglich ist. Hier hoffen die Mitarbeitenden der Maßnahme auf zukünftige Entwicklungen und einen Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung im Kreis Neuwied.

Unterstützt wird das Team der Maßnahme, welches aus drei pädagogischen Fachkräften besteht, durch drei weitere Honorarkräfte. Diese bieten wöchentliche Angebote in den Bereichen Musik und Ernährung & Gesundheit, sowie eine psychologische Beratung an. Durch diese multidisziplinäre Zusammenarbeit können verschiedenste Themen aktiv mit den Teilnehmenden angegangen und bearbeitet werden, was eine hohe Individualität und Flexibilität im Umgang mit den Teilnehmenden begünstigt.

Rückblickend auf den bisherigen Verlauf der Maßnahme lassen sich viele Erfolge verzeichnen, welche sich insbesondere in der Zufriedenheit der Teilnehmenden erkennen lassen, von welchen einige erfolgreich den Weg zurück in das Berufsleben gefunden haben. Viele von diesen halten auch lange Zeit nach dem beruflichen Einstieg weiterhin den Kontakt zum Personal, was auf die Bedeutung der positiven Beziehungsarbeit zwischen dem Personal und den Teilnehmenden zurückzuführen ist.

Eine immer wiederkehrende Herausforderung in der Arbeit, stellt insbesondere der Schritt heraus aus dem geschützten Rahmen und hinein in den Arbeitsmarkt dar. Teilnehmende, welche durch die Maßnahme eine berufliche Perspektive aufbauen und festigen konnten, stehen nun vor der Hürde, diese aktiv umzusetzen. Zwar steht das Personal den Betroffenen mit Engagement und Unterstützung zur Seite, jedoch fehlt es immer wieder an Arbeitgebern, welche langzeitarbeitslosen Personen mit besonderen Bedürfnissen hinsichtlich der psychischen Problematik eine Chance in der Arbeitswelt geben. Hier bedarf es noch mehr Aufklärungsarbeit, damit Vorurteile abgebaut und somit die beruflichen Chancen für diese Personengruppe erhöht werden können. Das Team der Individualmaßnahme Mobilé würde sich freuen, wenn sich mehr Firmen und Arbeitgeber finden lassen, welche bereit sind, sie beispielsweise durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen oder Möglichkeiten für Praxis- und Orientierungstage zu unterstützen.